Ein Platz zum Leben

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Karl und Erna Havlicek aus Wien Simmering sind so glücklich verheiratet, dass sie sich nur ca. 80% des Tages auf die Nerven gehen. Wenn man in Frühpension und schon ein bisschen alt ist, kann man daheim in der Wohnung sitzen und Kreuzworträtsel lösen. Irgendwie muss man die Zeit, bis man endlich stirbt, ja rumkriegen. Man kann aber auch im Lotto gewinnen und auf Weltreise gehen. Dort bekommt man zwar unter Umständen Durchfall, Sonnenbrand oder wird ausgeraubt, dafür sieht man Sonnenuntergänge, Berggipfel und Wüsten, Traumstrände und Megastädte und die Menschen, die überall wohnen. Männer, die sich wie Frauen anziehen aber tolle Dauerwellen frisieren, kettenrauchende Yogalehrerinnen, Taxifahrer ohne Orientierungssinn, Eingrauchte und andere Individuen die man beim Supermarkt in Simmering jetzt nicht unbedingt kennenlernen würde.
All das bringt Karl und Erna ein bisschen weiter davon weg, wo sie herkommen und ein bisschen näher dahin, wo sie nicht wussten, dass sie sein wollen. De facto ist alles im Leben unwichtig, wichtig ist nur was man daraus macht, also aus dem Leben. Aber bis zu dieser Erkenntnis ist es ein verdammt witziger Weg.

Die beiden Hauptcharaktere
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Erna

Erna Havlicek ist eine gestandene Frau. Die besten Jahre hat sie schon ein bisschen hinter sich, aber trotzdem ist sie erstaunlich gut erhalten und immer perfekt gedauerwellt. Andere Menschen würden sie vielleicht als resolut bezeichnen, aber im Grunde weiß sie einfach nur was sie will. Darum ist sie auch ganz klar die Chefin in ihrer Ehe, aber sie ist schlau genug um das den Karli nicht spüren zu lassen. Sollte sie überhaupt eine weiche Seite haben, zeigt sie diese nicht. Das Leben ist ja kein Rosamunde Pilcher Film.

Karl
Karl ist der Inbegriff eines treusorgenden Ehemanns. Tapfer und verwegen nimmt er sonntags schon mal die Zeitung aus dem Ständer ohne zu zahlen. Aber nur, wenn keiner schaut. Und Schwarzfahren tut er nicht. Das wäre dann doch zu aufregend. Er hats ja mit dem Herzen ein bisserl, und mit dem Cholesterin. Wenn er etwas mehr hasst als unvorhergesehene Änderungen in seinem Tagesablauf, dann sind es die Schnapsideen seiner geliebten Ehefrau. Das würde er ihr aber niemals sagen. Schließlich ist er schon so lange glücklich verheiratet. Da muss man das Inferno nicht unnötig heraufbeschwören.